Wenn plötzlich nur in einem einzelnen Raum die Steckdosen oder das Licht ausfallen, wirkt das zuerst wie ein kleines Problem – kann aber von einem defekten Gerät bis zu einer lockeren Klemme in der Installation reichen. Mit einer strukturierten, sicheren Vorgehensweise können Sie viele Ursachen eingrenzen, ohne Risiken einzugehen. Dieser Beitrag zeigt Ihnen typische Fehlerbilder, sinnvolle Prüfschritte und wann es besser ist, eine Elektrofachkraft für eine elektrische Fehlersuche vor Ort hinzuzuziehen.
Sichere Sofortmaßnahmen & systematische Eingrenzung
Bevor Sie prüfen, gilt: Elektrizität ist kein Bastelthema. Alles, was über das Zurücksetzen von Schaltern hinausgeht, sollte nur von einer qualifizierten Elektrofachkraft durchgeführt werden. Ihre Aufgabe als Laie ist vor allem, das Fehlerbild sauber zu beobachten und einfache, sichere Schritte umzusetzen.
Wichtig: Wenn Sie Brandgeruch, Schmorspuren, knisternde Geräusche, warme Steckdosen/Schalter oder sichtbare Beschädigungen feststellen: nichts weiter testen, Stromkreis abschalten und umgehend einen Elektriker bzw. Elektro-Notdienst kontaktieren.
1) Abgrenzen: Betrifft es Licht, Steckdosen oder beides?
Prüfen Sie im betroffenen Raum: Funktioniert nur die Beleuchtung nicht, nur die Steckdosen nicht oder beides? In vielen Wohnungen sind Licht- und Steckdosenstromkreise getrennt abgesichert. Das Ergebnis hilft später bei der Störungsdiagnose in der Unterverteilung.
2) Sicherungen & FI/RCD prüfen (Unterverteilung/Sicherungskasten)
Schauen Sie in den Sicherungskasten: Steht ein Leitungsschutzschalter (LS) „zwischen“ Ein und Aus oder ist ein FI/RCD (Fehlerstromschutzschalter) ausgelöst? Ein LS löst oft bei Überlast oder Kurzschluss aus, ein FI/RCD bei Fehlerströmen (z. B. defektes Gerät, Feuchtigkeit). Schalten Sie den betroffenen Schalter vollständig aus und wieder ein. Löst er sofort wieder aus, liegt sehr wahrscheinlich ein echter Fehler an.
3) Geräte als Ursache ausschließen (häufigster Praxisfall)
Ziehen Sie im betroffenen Raum zunächst alle Stecker (auch Mehrfachsteckdosen). Danach setzen Sie den LS bzw. FI/RCD zurück. Bleibt die Sicherung nun drin, stecken Sie die Geräte nacheinander wieder ein, bis der Fehler erneut auftritt. So identifizieren Sie häufig den Auslöser (z. B. Heizlüfter, Kaffeemaschine, Aquarium, Netzteil).
4) Teil-Ausfälle erkennen: Nur einzelne Steckdosen tot
Wenn nur bestimmte Steckdosen nicht funktionieren, kann die Ursache in einer vorgeschalteten Steckdose, einer Abzweigdose oder einer losen Verbindung liegen. Auch ein geschalteter Stromkreis (z. B. Steckdose über Lichtschalter) kommt vor. Das ist ein typischer Fall für „Sicherungskasten prüfen lassen“ und eine Messung durch eine Elektrofachkraft, weil hier Kontaktprobleme zu Wärmeentwicklung führen können.
5) Wenn die Sicherung „drin“ ist, aber trotzdem kein Strom ankommt
Bleibt der LS eingeschaltet und dennoch ist der Raum ohne Versorgung, sind mögliche Ursachen unter anderem: defekter LS, lockere Klemme im Verteiler, unterbrochener Neutralleiter, beschädigte Leitung oder eine fehlerhafte Verbindung in einer Dose. Das lässt sich zuverlässig nur mit geeigneten Messgeräten und Know-how prüfen. Spätestens hier ist eine elektrische Fehlersuche vor Ort sinnvoll.
Standards & Normen
Für Planung, Prüfung und Betrieb elektrischer Anlagen in Gebäuden gelten in Deutschland vor allem Regeln der DIN VDE. Die wichtigsten Punkte – ohne Anspruch auf Vollständigkeit und ohne Rechtsberatung – sind:
- DIN VDE 0100 (Errichten von Niederspannungsanlagen): Grundregeln zur sicheren Installation, Schutzmaßnahmen und Auswahl von Betriebsmitteln.
- DIN VDE 0100-410: Schutz gegen elektrischen Schlag, u. a. Einsatz von RCD/FI in vielen Endstromkreisen.
- DIN VDE 0100-600: Erstprüfung nach Errichtung/Änderung – Messungen und Sichtprüfungen, die u. a. Fehler wie lose Verbindungen oder falsche Schutzmaßnahmen aufdecken sollen.
- DIN VDE 0105-100: Sicherer Betrieb elektrischer Anlagen (Arbeitsverfahren, Freischalten, Prüfen, Absichern).
- DGUV Vorschrift 3: Wiederkehrende Prüfungen elektrischer Anlagen und Betriebsmittel im gewerblichen Umfeld (relevant, wenn der Raum Teil eines Betriebs ist).
- TAB des Netzbetreibers (Technische Anschlussbedingungen): Vorgaben rund um Zählerplatz und Anschluss, wichtig bei Arbeiten in der Hauptverteilung.
Praktisch bedeutet das: Viele „komische“ Teil-Ausfälle werden in der Fachprüfung durch Messungen (Schleifenimpedanz, Isolationsmessung, RCD-Auslösewerte etc.) eindeutig eingegrenzt – etwas, das im Haushalt ohne Ausbildung nicht nachgebildet werden sollte.
Best Practices
- Fehlerbild dokumentieren: Was genau ist aus? Seit wann? Nach welchem Ereignis (Gerät eingeschaltet, Bohren, Wassereintritt)?
- Schalter eindeutig bedienen: LS/FI immer vollständig aus- und wieder einschalten, nicht „halb“.
- Geräte konsequent trennen: Erst alles ausstecken, dann schrittweise wieder anschließen, um den Verursacher zu finden.
- Mehrfachsteckdosen prüfen: Defekte Leisten sind häufiger als defekte Wandsteckdosen.
- Lasten reduzieren: Heizgeräte, Trockner, Baustrahler & Co. können Stromkreise überlasten – besser auf mehrere Kreise verteilen.
- Nur sichere Hilfsmittel nutzen: Wenn überhaupt, dann einen genormten Steckdosenprüfer aus dem Fachhandel – und Ergebnisse nur als Hinweis verstehen.
- Frühzeitig Fachhilfe holen: Bei wiederkehrendem Auslösen, Teil-Ausfällen oder Verdacht auf lockere Klemme ist ein Elektriker für die Fehlersuche die richtige Wahl.
Häufige Fehler
- Fehler: FI/RCD wird mehrfach „blind“ wieder eingeschaltet.
Korrektur: Erst alle Verbraucher trennen, dann gezielt testen; bei erneutem Auslösen Ursache fachgerecht messen lassen. - Fehler: Nur im betroffenen Raum gesucht, obwohl der Stromkreis über Nachbarräume läuft.
Korrektur: Auch Flur/nebendran liegende Steckdosen prüfen und im Sicherungskasten die Beschriftung hinterfragen. - Fehler: Mehrfachsteckdose/Verlängerung übersehen.
Korrektur: Leiste austauschen, Steckverbindungen prüfen, Wackelkontakte vermeiden. - Fehler: Schalterprogramme/Steckdosen geöffnet, obwohl keine Ausbildung vorliegt.
Korrektur: Abdeckungen geschlossen lassen und stattdessen eine Elektrofachkraft beauftragen. - Fehler: „Sicherung ist drin, also ist alles ok.“
Korrektur: Bei anhaltendem Ausfall trotz eingeschaltetem LS ist eine Messung nötig (möglicher Neutralleiter- oder Kontaktfehler). - Fehler: Bohrarbeiten ohne Leitungssuche.
Korrektur: Vor dem Bohren Leitungssucher nutzen; bei Verdacht auf Leitungsbeschädigung Stromkreis sofort abschalten und prüfen lassen.
Compliance-Checkliste
- Keine weiteren Tests bei Geruch, Schmorspuren, Wärme oder Geräuschen; Stromkreis abschalten.
- Im Sicherungskasten LS/FI eindeutig identifizieren und korrekt zurücksetzen (aus/an).
- Betroffenen Raum vollständig stromverbraucherfrei machen (alle Stecker ziehen) und dann erneut prüfen.
- Geräte nacheinander wieder anschließen, um einen defekten Verbraucher zu erkennen.
- Abgrenzen, ob Licht, Steckdosen oder beides betroffen ist; das erleichtert die Diagnose.
- Teil-Ausfälle (nur einzelne Steckdosen) als Warnsignal für Kontakt-/Verdrahtungsprobleme behandeln.
- Bei wiederkehrendem Auslösen oder „Sicherung drin, trotzdem tot“ eine Elektrofachkraft für Messungen nach DIN VDE beauftragen.
- Beschriftungen/Zuordnung der Sicherungen aktualisieren lassen, um künftige Störungen schneller einzugrenzen.
Wenn Sie nach den sicheren Basischecks keine klare Ursache finden oder der Fehler wiederkommt, ist professionelle Unterstützung die schnellste und sicherste Lösung. Eine strukturierte Störungsdiagnose durch einen Elektriker (inklusive Messungen und Sichtprüfung) verhindert Folgeschäden und stellt die Betriebssicherheit des Stromkreises wieder her.